Einen Marathon zu laufen ist eine Erklärung dafür, dass dein Körper und dein Geist mehr aushalten können, als du glaubst.
Die Idee, irgendwann mal einen Marathon zu laufen, begleitet mich in meinen kühnsten Träumen schon seit langer Zeit. Als ich in meinen jungen Jahren Radrennfahrer war, hatte ich speziell im Winter immer Spaß, im Wald zu laufen.
Am Anfang stand eine ganz einfache Herausforderung: eine 3-Kilometer-Runde ohne zu gehen durchzulaufen. Der nächste Schritt ließ nicht lange auf sich warten – der Businesslauf in Salzburg mit 6 Kilometern. Auch diese Distanz war machbar, und ich spürte, da geht noch mehr.
Nach dem Lauf wuchs die Motivation weiter. Im Training nahm ich mir vor, einen Viertelmarathon zu schaffen – und ich schaffte es. Doch damit nicht genug: Ich wollte wissen, wie weit ich noch gehen kann. Also steigerte ich mich weiter und erreichte schließlich 16 Kilometer. Mit jedem Schritt wuchs nicht nur meine Ausdauer, sondern auch mein Vertrauen in mich selbst.
Mir kam der Gedanke: Was wäre, wenn ich mich einfach zu einem Halbmarathon anmelde? Gesagt, getan. Beim Halbmarathon in Graz 2024 ging ich an den Start – und kam tatsächlich ohne viel Training ohne Einbruch ins Ziel. Am Ende war ich erschöpft, aber unglaublich stolz. Genau in diesem Moment entstand ein neuer Gedanke: Wenn ich mich richtig vorbereite, könnte ich vielleicht eines Tages sogar einen ganzen Marathon schaffen.
Das konkrete Ziel, den Marathon zu bestreiten, wurde an diesem Oktobertag 2024 geboren. Beim Halbmarathon wurde mir zum ersten Mal klar: Ich kann das. Da geht noch mehr. Diese 21 Kilometer waren nicht das Ziel, sondern der Anfang.
Was 2025 folgte, waren mehrere Monate konsequentes Training, und voller Fokus auf den Marathon im Oktober. Über 140-mal lief ich meine Hausrunde – bei Regen, Kälte und Hitze. Jeder Schritt war ein Versprechen an mich selbst. Selbst eine Hundeattacke, und eingerannte blaue Zehen konnten mich nicht stoppen. Kurz geschüttelt, weitergemacht. Aufgeben war keine Option.
Ein eingefleischter Marathonläufer teilte mir erbarmungslos mit: „Du willst in den Marathon Club? Du weisst schon, dass das ein echt elitärer Club ist." Mir scheint, er will mir sagen, dass ich das nicht schaffe. Das schaffe ich nie? Wenn er wüsste, dass mich nichts mehr anspornt, als dieser Satz. Dir zeig ich's!
Der Halbmarathon 2025 Mitte Oktober in Graz wurde zur Generalprobe. Mit einer Zeit von 1 Stunde und 55 Minuten erreichte ich mein Ziel von unter 2 Stunden ohne Problem und ich setzte ein klares Zeichen: ich fühlte mich top. Selbstsicher. Ich war bereit. Doch ich wusste, die eigentliche Herausforderung lag noch vor mir.
Dann kam der 26. Oktober 2025. Venedig. Am Start mit 20.000 anderen Läufern. Die Spannung lag in der Luft. Der Startschuss fiel – und ich lief. Ruhig, kontrolliert, fokussiert. Ich teilte mir meine Kräfte perfekt ein, Kilometer für Kilometer. Kein Einbruch, keine Krise – nur ein gleichmäßiger Rhythmus.
Alle 30 min ein Gel, das ich im Laufgurt mit mir trug. Dazu Wasser von der Labestation. Bei der Häfte zum Halbmarathon waren gerade mal 2 Stunden und 2 Minuten vergangen, ich fühlte mich super. Ausgezeichnet ein Müsliriegel dazwischen beleidigte mir den Magen etwas, aber das war bei Kilometer 30 auch schon wieder vergessen.
Dann kam die Brücke. Fünf Kilometer schnurgerade vom Festland nach Venedig. Kein Schatten, kein Ende in Sicht. Zäh, mental fordernd. Jeder Schritt wurde zur Herausforderung. Aber ich blieb dran.
Und schließlich: Venedig selbst. Aufgebaute Brücken über die Kanäle, unebener Boden, Kopfsteinpflaster. Eine Unmenge an Zuschauern bejubelte die Läufer durch die engen Gassen. Eine unglaublich lässige Atmosphäre. Das Meer schwappte auf die Strecke und machte den Boden unglaublich rutschig. Nicht auszurutschen erforderte enorme Konzentration. Dann auch noch Hochwasser auf dem Markusplatz, eine fast surreale Kulisse unter den Füßen. Doch ich lief weiter, getragen von der Atmosphäre und dem Ziel vor Augen.
Bei Kilometer 40 bekam ich nochmal einen Motivationsschub und mobilisierte meine verbliebenen Kräfte. Die letzten beiden Kilometer waren die schnellsten des gesamten Marathons. Womöglich hätte ich noch viel schneller laufen können?
Nach 4 Stunden, 19 Minuten und 24 Sekunden überquerte ich die Ziellinie.
Kein Traum mehr – Realität. Der Marathon Club hatte ein Mitglied mehr.










